Die kaiserliche Botschaft - Das Verhältnis der Sozialutopie zur Wirklichkeit

Zu den bekannten Erzählungen des Schriftstellers Kafka gehört "die kaiserliche Botschaft". In ihr geht es um die Durchdringung einer majestätischen Mär bis zum letzten Untertan, kurzum dem Verhältnis vom Einzelnen zum gesamten System. Dass man dabei viele Hürden überwunden muss, um zum Individuum zu gelangen, liegt an den verschiedenen Instanzen und Zwischenstufen. In seinem Kämmerlein wartet vergeblich, aber voller Gewissheit dann der keine Mann auf den Erhalt seiner Botschaft.

Ähnlich wie der Untertan träumt auch der Sozialutopist von einer wahrhaft königlichen Mär, in der jedoch alle Königlichkeit abgeschafft ist. Es ist das Gerücht vom Kommunismus, - wobei sich die utopische Form auch beliebig variieren lässt - was sich ins Ohr des Gläubigen lispelt und ihn auf eine bessere Zukunft warten lässt. Doch gesetzt des Falls, der Gläubige erhielte die Chance, mit seiner studentischen K-Gruppe eine fünfte, sechste oder siebente Kommunistische Internationale zu errichten, in der man den jahrelangen Streit, ob man sich als trotzkistisch oder maoistisch bezeichnet, zumindest vom Ansatz her gelöst hat, dann heißt dies noch längst nicht, dass man kurz vor dem Ziel der klassenlosen Gesellschaft steht. Geschult im dialektischen Materialismus müsste er dann die Arbeiterklasse aufsuchen, die er aber nicht in den Fließbändern von Manchester findet, sondern mit guten Geld in den Gewerkschaften ihre Forderungen ausrufen. Bei all den ökonomischen Hürden, die so schwer zu überwinden sind, dass es schon leichter ist, Ikea-Möbel aufzustellen, so gibt es noch ein größeres Hindernis, das Bewusstsein der Menschen. Und eh man dies nicht umstrukturiert, wird sich keine Gesellschaft verändern.  

Und eh man sich aus dem Fenster seines bürgerlichen Zimmers hängt und mit Plakatekleben glaubt, etwas zu bewirken, sollte man eine größere Veränderung vornehmen, die Arbeit an seiner Persönlichkeit.

9.9.07 13:47
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de